La Palma – kurvig, heiß und abgelegen


Nachdem Emma, Frederik und ich 7 Wochen in Bajamar auf Teneriffa verbracht hatten, reisten wir am 22. August 2016 zur Nachbarinsel La Palma. Bajamar und das dortige Projekt sagten uns schon sehr zu, dennoch entschieden wir uns dazu, La Palma und ihre Möglichkeiten in einer Gemeinschaft zu leben, zu erkunden. Ob wir eine Gemeinschaft auf La Palma gefunden haben? Das kannst du im folgenden Artikel nachlesen.

Zwischenstopp in La Gomera
Zwischenstopp in La Gomera

Am Montagvormittag holte uns eine Freundin von Michael und Yasmin mit ihrem Auto ab. Sie fuhr uns nach Los Cristianos im Süden Teneriffas. Von dort nahmen wir die Mittagsfähre über La Gomera nach Santa Cruz de La Palma. Nach einer dreieinhalbstündigen Fahrt bei schwachem Seegang kamen wir am frühen Nachmittag auf la Palma an. Mit etwas Verspätung fand uns dann auch unser Fahrer Robert. Er ging nämlich davon aus, dass wir am Flughafen angekommen sind. Zum Glück liegt der Hafen nicht weit vom Flughafen entfernt.

Zu Gast bei Rohland Frohland, Robert und Shaktima

Nachdem wir all unser Gepäck im kleinen Auto verstaut hatten, fuhren wir durch die grünen Berghänge auf der Ostseite von La Palma. Nach einer Stunde Autofahrt wandelte sich das Bild erheblich und wir passierten karge Felsen und Bananenplantagen soweit das Auge reichte. Als wir etwas mehr als die Hälfte des Weges zur Finca von Rohland Frohland geschafft hatten, machten wir einen Halt an der Straße und aßen ein paar Mangos, die kürzlich vom Baum gefallen waren. Am Abend kamen wir am Platz an und räumten unser Gepäck in das für uns reservierte Tipi. Die Finca an sich ist idyllisch in der Natur gelegen. Wir konnten keinen Autoverkehr hören, nachts viele Sterne sehen, im eigenen mit quellwassergespeisten Swimmingpool baden und die scheinbar endlose Weite des Atlantiks bewundern. Doch trotz all dieser Vorzüge war uns bereits am ersten Abend klar, dass wir langfristig nicht an diesem Ort bleiben würden.

Das Tipi in dem wir schliefen
Das Tipi in dem wir schliefen

So schön es auch ist abseits der Stadt in der Natur zu leben, so kam uns die Lage gleich von Anfang an zu isoliert vor. Auch stellten wir gleich zu Beginn unserer Ankunft fest, dass außer verwilderten Feigen und etwas bitterem Salat, nichts anderes essbares dort wuchs, was gerade reif war. . . Aber einige Mangos konnten wir dann am Ende unseres Aufenthalts doch noch genießen. Rohland hatte mir am Telefon von 30 Jahre alten Mangobäumen und einem 3 Hektar Land erzählt. Ich sah dort jedoch nur ca. 1 Hektar Land und zwei etwa 15 Jahre alte Mangobäume, die übrigen waren deutlich jünger. Schon am ersten Abend erlebten wir noch eine weitere Überraschung: Gleich zu Beginn unserer Ankunft wurden wir von zahlreichen Fliegen begrüßt, die uns während unseres gesamten Aufenthalts von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang auf die Nerven gingen.

Was für uns den Ort dennoch angenehm machte war die Tatsache, dass wir mehr oder weniger rund um die Uhr draußen waren, wir uns täglich an frischen Feigen satt essen konnten und wir drei liebevolle Menschen kennen lernten, die mit der Zeit einen wunderbaren Rückzugsort in der Natur kreieren werden.

Da Frederik kurz vor unserer Überfahrt nach La Palma an Röteln erkrankt war, blieben wir die ersten Tage ausschließlich auf der Finca, um sicherzugehen, dass er niemand anderen ansteckt. Am Samstag fuhren Robert, Shaktima und ich zum Bauernmarkt in Punta Gorda. Der Markt war für meine Vorstellungen viel zu klein und die Auswahl an frischem Obst und Gemüse dementsprechend begrenzt. Insgesamt gibt es dort 8 Bauernstände wobei ich aus Tegueste das Doppelte gewohnt war. Immerhin gab es recht günstig Papayas und Bananen. Der Markt in Punta Gorda ist für die Aussteiger im Nordwesten La Palmas anscheinend ein beliebter Treffpunkt und ich, der gerade mal sieben Tage auf der Insel war, kannte schon die Hälfte der Leute allein vom Sehen. Das ist natürlich übertrieben und dennoch wurde mir dadurch klar, dass die Möglichkeiten in dieser Ecke der Insel alles andere als vielfältig sind.

Finca Tierra

Am Sonntag wurde uns unser Leihwagen zur Finca gebracht und wir fuhren gemeinsam mit Melanie, die uns den Wagen brachte, zur nahe gelegenen Finca Tierra. Die Finca ist direkt von der Hauptstraße aus zu erreichen und doch sehr ruhig gelegen. Ich habe während unseres dreistündigen Aufenthalts dort nicht ein einziges Auto gehört. Vor 16 Jahren hat die Besitzerin Maine die brachliegende Fläche übernommen und mit der Hilfe von vielen Helfern in eine zauberhafte Oase verwandelt. Die Finca verfügt über ein Seminarhaus, ein kleines Gemeinschaftshaus, eine sehr schicke Küche mit Außenbereich, ein größeres Wohnhaus in dem Maine lebt, einen Swimmingpool, mehrere Zelte mit Strom und Licht, viele schattige Plätze und verschiedene Fruchtbäume.

Finca Tierra - Außenbereich
Finca Tierra – Außenbereich

Nachdem uns Melanie, die den letzten Winter auf der Finca verbracht hatte, so gut wie alles gezeigt hatte, machten wir es uns im Schatten gemütlich. Maine selbst hatte nicht viel Zeit mit uns über ihr Projekt zu sprechen, doch David, einer der dauerhaften Bewohner, nahm sich die Zeit uns einiges über die Finca zu erzählen und brachte uns zwischendurch noch ein paar reife Sapoten, von denen ich die Kerne für Rohlands, Shaktimas und Roberts Finca mitnahm. Die weiße Sapote ist eine subtropische Frucht mit einer grünen bis gelben Schahle und erinnert mich voll ausgereift an dem Geschmack von Streusselkuchen mit Pudding. Sie gehört auf jeden Fall mit zu meinen Lieblingsfrüchten, doch in Deutschland habe ich sie kein einziges Mal im Verkauf gesehen.

Die Finca Tierra hat uns sehr zu gesagt, doch die kleine Gemeinschaft, die dort bereits am Entstehen ist, sucht momentan keine neuen Mitglieder. Was uns auch noch etwas abgeschreckt hat ist die Tatsache, dass die Finca im Besitz von Maine und nicht im Besitz der Mitglieder ist. Für uns entsteht dadurch ein unausgewogenes Machtverhältnis, welches uns nicht genug Gleichberechtigung und Sicherheit einräumt.

Los Lomitos

Kurz nach unserem Besuch auf der Finca Tierra, setzten wir uns mit Angelika in Kontakt. Sie ist genau wie wir auf der Suche nach einer Gemeinschaft zum Leben und wir lernten sie und ihren Sohn kennen, als sie einmal auf der Finca vorbei kam. Am Donnerstag holten wir beide mit dem Auto ab und fuhren zusammen hoch in die Berge. Nach etwas über einer Stunde Fahrt erreichten wir schließlich die Siedlung Los Lomitos. Nach Aussage eines Bekannten kann man sich dort schon ein ca. ein Hektar großes Grundstück für 4000 € kaufen, doch schon auf unserer Fahrt dorthin wurde uns klar warum. Nur wenige Leute können sich vorstellen so abgelegen von der Zivilisation zu leben. Als Angelika einem der Bewohner erklärte, dass wir gleich wieder fahren, weil der Ort langfristig für uns nicht in Frage kommt, da er zu abgelegen ist, sagte er: „Klar versteh‘ ich, aber für uns kann es gar nicht weit genug weg sein. Je weiter, desto besser.“

Wir verließen Los Lomitos also schneller als wir gekommen waren und trafen uns einige Minuten später mit Pedro. Er hat ein Stück Land im Tal gepachtet und baut dort Höhlen aus, die er an Touristen für wenig Geld weiter vermietet. Wir schauten uns eine seiner Höhlen an, da Angelika nach einer neuen Unterkunft suchte. Die Höhle war wirklich gut ausgebaut und ganz in der Natur gelegen. Wenn man sich für ein paar Tage zurückziehen möchte, sicherlich ein idealer Ort, ganz gewiss aber nicht für eine Mutter mit einem dreijährigen Sohn.

Tal bei Pedros Höhle #3
Tal bei Pedros Höhle

Nachdem wir die für uns interessanten Projekte abgehakt hatten, packten wir am Freitag unsere Sachen im Tipi zusammen und schliefen zwei Nächte bei Angelika im Holzhäuschen. Wir erzählten Angelika viel über das Projekt Serene Light Garden / Finca Luz Serena in Teneriffa und nachdem sie mit Yasmin und Michael telefoniert und einige Fotos gesehen hatte, entschied sie sich dazu uns in ein paar Tagen nach Teneriffa zu folgen.

Wir haben für uns gelernt, dass La Palma nicht unsere Insel ist. Zu klein, zu kurvig, zu heiß und viel zu viele Fliegen. 🙂 Also entschieden wir uns kurzum eine Fähre zu buchen und zur Finca Luz Serena zurückzukehren. Jetzt überlegen wir gemeinsam mit Angelika und ihrem Sohn vorübergehend eine Finca mit vielen Fruchtbäumen zu pachten, um unsere Kosten zu reduzieren und gleichzeitig bei Serene Light Garden mitzuwirken, also einen Gemüsegarten anzulegen, viele Fruchtbäume, Bananen, und Exemplare einer Sorte Papaya zu pflanzen, die bereits nach 6 Monaten Früchte bringt. Wenn wir kein geeignetes Pachtgrundstück für die nächsten Monate finden reisen wir für den Winter eventuell zu Freunden nach Nerja auf dem spanischen Festland.

Warst du selbst auch schon einmal auf La Palma? Wie hat es dir gefallen?

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