Superfood Distel


Wer hin und wieder Wildpflanzen sammelt oder im Garten arbeitet hat bestimmt schon einmal unliebsame Erfahrungen mit dieser wehrhaften Pflanze gemacht. Doch so wie Malve, Brennnessel und Melde sich für Salate, grüne Säfte oder Grüne Smoothies eigenen so verhält es sich auch mit der Distel. Ich gebe zu, das ich sie noch nie in einem Salat verwendet habe, da mir das Abschneiden der Stacheln zuvor zu aufwendig wäre, doch in grünen Smoothies und Säften kam sie schon mehrfach zum Einsatz.

Herkunft und Verwendung

Disteln sind, wie auch viele andere Wildpflanzen, als Unkraut verschmäht. Doch den Kennern ist klar, dass sie wichtige Anzeiger für nährstoffreiche Böden sind. Als Disteln werden im Allgemeinen Wildpflanzen bezeichnet die sehr stachlig sind, doch botanisch gesehen gehören alle Arten zur Unterfamilie Carduoideae der Korbblütler. Der Wortursprung geht auf indogermanische Wurzeln zurück und bedeutet „stechen“ oder „spitz“.

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Disteln waren die warmen Regionen rund um das Mittelmeer, doch mittlerweile ist sie in vielen Regionen der Erde zu Hause und man findet sie sowohl in trockenen Gegenden Nordamerikas als auch im kühlen Norden Schottlands.

In der Naturmedizin werden Disteln schon lange als unterstützendes Mittel zur Heilung verschiedener Krankheiten verwendet. Ein Tee, Kaltauszug oder Saft aus den Blättern entspannt und beruhigt die Nerven. Ein Tee aus der Wurzel hilft dabei verschiedene Lungenkrankheiten zu heilen wie zum Beispiel Bronchitis, Asthma und Husten. Der aus dem Stengel austretende weiße Milchsaft wird verwendet um Infektionen des Auges, Hautkrebs, Warzen und Leberflecke zu behandeln.

Mariendistel als Arzneimittel für die Leber

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Mariendistel in Blüte

Die verschiedenen Distelarten können als ganze Pflanzen verwendet werden. Aus den Früchten der Mariendistel kann ein Extrakt gewonnen werden, der dabei hilft die Leber zu regenerieren. Die Mariendistel enthält verschiedene Flavonolignane die den Komplex Silymarin bilden. Silymarin fängt freie Radikale ab, die bei der Entgiftung der Leber enstehen und verhindert somit das Zellwände zerstört werden. Außerdem fördert es die Regeneration von Zellwänden. In Studien konnte die positive Wirkung bei Leberschäden und Hepatitis C Erkrannkungen nachgewiesen werden.

Nährstoffe im Vergleich

Die folgende Tabelle zeigt eine Gegenüberstellung der Mineralien von einem Eisbergsalat und Disteln im Durschnitt. Bei den Vitaminen gibt es nur einen großen Unterschied und zwar in dem Gehalt von Vitamin A. Dies ist der einzige Nährstoff bei dem der Eisbergsalat um ein vielfaches überwiegt. In allen anderen Fällen liegen beide ungefähr gleich auf oder die Distel ist um ein vielfaches höher.

Nährstoffvergleich: Eisbergsalat / Distel

Sammelhinweise

Disteln lassen sich am besten mit einer langen Schere* oder Gartenschere* und ein paar robusten aber nicht zu groben Handschuhen* ernten. Sehr junge und zarte Blätter können meistens auch ohne Handschuhe geerntet werden. Ich sammele meistens zwischen 20 und 40 handlange Blätter, hin und wieder auch zwei ellenlange, ganze Stiele. Beim Sammeln achte ich darauf maximal die Hälfte von einer Pflanze zu ernten, so dass sie noch genügend Blätter hat weiter zu wachsen und Samen für ihre weitere Verbreitung produzieren kann.

Verwendung in der Küche

Wie bereits zu Beginn erwähnt kann die Pflanze auch direkt in einem Salat verwendet werden, wenn die Stacheln zuvor entfernt werden. Ich verwende sie meistens jedoch in einem grünen Saft oder Smoothie. Für 40 Blätter, zwei Möhren und eine kleine Gurke kurble ich ca. 10 min mit meinem Handentsafter*. Den puren Distelsaft verdünne ich meistens 1:4 mit Wasser da er mir sonst zu streng ist. Einen grünen Smoothie herzustellen geht natürlich viel schneller, damit aber von den Stacheln nichts mehr zu merken ist braucht es einen leistungsstarken Mixer* mit mindestens 28.000 U/min. Den ausgepressten Saft empfiehlt es sich so schnell wie möglich zu trinken da er schneller oxidiert, weil ihm die Faserstoffe fehlen. Einen grünen Smoothie hingegen kann man auch noch aufbewahren und er verliert kaum an Nährstoffen. Das die Oxidation in Smoothies geringer ist als in Säften wies Victoria Boutenko, die als Erfinderin der grünen Smoothies gilt, in einem Experiment nach, welches sie in ihrem Buch Green Smoothie Revolution* beschreibt.

Ich hoffe ich konnte mit diesem Artikel deine Sicht über die Disteln etwas erweitern. Sobald die Wildkräuter Saison in Mitteleuropa wieder richtig beginnt kannst du also ohne Bedenken ruhig ein paar Blätter von ihr Sammeln. Für den Anfang empfehle ich mit einer kleineren Menge zu beginnen da der Geschmack wirklich ungewohnt streng sein kann.

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Viel Spaß beim Sammeln,
Michael

Titelbild: Carlina acaulis, Fiescheralp, Schweiz; Urheber: Fritz Geller-Grimm; Lizenz: Diese Datei ist unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 nicht portiert“ lizenziert.

Mairendistel in Blüte: milk_thistle_flowerhead; Urheber: Fir0002/Flagstaffotos; Lizenz: Attribution NonCommercial Unported 3.0

4 Gedanken zu „Superfood Distel

  • 2017-03-22 um 13:54
    Permalink

    Das ist sehr interessant, ich bin gerade über Deinen Link vom Bevegt Podcast darauf gekommen. Als großer Artischockenfan könnte ich mir vorstellen, dass Disteln ganz ähnlich schmecken. Daran werde ich bestimmt nächstes Mal denken, wenn ich welche unterwegs sehe.

    Antwort
    • 2017-03-22 um 19:16
      Permalink

      Hallo Claudia,
      freut mich das dir Artikel gefallen hat. Ob sie ähnlich zu Artischocken schmecken kann ich dir nicht wirklich beantworten. Ich habe zweimal bisher in meinem Leben Artischocken gekocht probiert und fand jedes mal das sie kaum Geschmack hatten. Distel ist (roh) sehr intensiv und abhängig von Art auch sehr unterschiedlich im Geschmack. Ich kann mir durchaus auch vorstellen das sie sich gut gedünstet genießen lassen.

      Hast du dich schon einmal an anderen Wildkräutern probiert?

      Gruß,
      Michael

      Antwort
  • 2017-03-22 um 20:36
    Permalink

    Da hast Du noch keine sardischen Artischocken gegessen. Sie sind so extrem im Geschmack dass man nicht mehr als zwei essen kann. Sie hinterlassen einen pelzigen Geschmack und sind sehr bitter. Wir essen sie immer roh mit unserem Olivenöl. Sehr lecker. Ich sammle jedes Jahr Bärlauch aber muss an meiner Erkennung von anderen Kräutern arbeiten.

    Antwort
    • 2017-04-10 um 17:11
      Permalink

      Hallo Claudia,
      ja die habe ich wirklich noch nicht probiert. Allerdings spricht mich ein Pelz auf der Zunge nicht an. Gegen Bitterkeit habe ich jedoch nichts. Bei Wildkräutern können wir alle immer noch etwas dazu lernen. Wenn du schreibst, dass du noch an der Erkennung von anderen Kräutern arbeiten musst, macht mich das nachdenklich und mir ist deine Freiheit wichtig. Ich weis muss ist nur ein kleines Wort, doch macht es einen großen Unterschied darin ob wir es tun werden oder nicht. Verstehst du was ich meine?

      Grüße,
      Michael

      Antwort

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