Warum Urteile dich trennen


Es steht außer Frage, dass die Fähigkeit zu beurteilen, über mehrere Tausend Jahre das Überleben der Menschheit gesichert hat. Unsere Vorfahren schätzten ein, ob von einem bestimmten Tier oder einem Szenario, wie z.B. einem Waldbrand, eine Gefahr ausging oder nicht. Heutzutage wägen wir ab, ob ein Auto noch weit genug entfernt ist, um die Straße sicher überqueren zu können. Oder wir beurteilen die Verkehrslage in stockend oder fließend, um eine Entscheidung darüber treffen zu können, ob wir nicht lieber eine andere Route wählen, wenn wir selbst am Steuer sitzen. Diese Form der Urteilsfähigkeit ist wichtig und dient unserem Bedürfnis nach Sicherheit. Doch leider benutzen wir diese Fähigkeit eben nicht nur für die Bewertung von Situationen, sondern auch für uns selbst und andere Menschen. In diesem Artikel erfährst du, wieso Urteile schädlich für die Beziehung zu dir selbst und deinen Liebsten sind und wie sie zu Streit führen und oft unglücklich machen.

Negative wie positive Urteile über dich und andere drücken zwar deine Gedanken aus, jedoch nicht das, was in dir lebendig ist. Was in uns lebendig ist, sind unsere Gefühle und Bedürfnisse und jedes Urteil ist nur der Ausdruck eines unerfüllten oder erfüllten Bedürfnisses.

Nehmen wir an du bist eine Frau Mitte 30. Du hast gemeinsam mit deinem Partner zwei Kinder. Dein Sohn ist drei Jahre alt und deine Tochter acht Monate alt. Du befindest dich in Elternzeit und bist überwiegend mit der kleinen zu Hause. Dein Partner arbeitet von Montag bis Freitag 40h die Woche bei der Post als Briefzusteller und ist viel auf den Beinen. An einen Freitagnachmittag bist du mit beiden Kindern unterwegs und besuchst Verwandte am anderen Ende der Stadt. Als du nach Hause kommst, steht der Wäschekorb mit nasser Kleidung immer noch im Flur. Du hattest ihn dort in der Hoffnung stehen lassen dein Partner würde von alleine darauf kommen sie aufzuhängen, doch stattdessen liegt er im Wohnzimmer auf dem Sofa und schaut auf sein Smartphone.

Negative Urteile

Wenn du jetzt zu deinem Partner, der zum wiederholten Male deinen Wink nicht verstanden hat, sagst: „Du bist so eine faule Socke und machst keinen Finger krumm.“, wird sich wohl kaum seine Bereitschaft erhöhen die Wäsche aufzuhängen. Im Gegenteil, er wird widerwillig sein und weiterhin keinen Finger rühren. Dein Partner kann deine Wut dann vielleicht sehen, doch was wirklich in dir vorgeht versteht er nicht, da du weder von deinen Gefühlen noch Bedürfnissen redest. Wie kann er es auch, wenn du selbst deine Erschöpfung und dein Bedürfnis nach Unterstützung auf solch tragische Weise ausdrückst. In der gleichen Situation kann es auch vorkommen, dass du ein Urteil über dich anstelle deines Partners fällst. Vielleicht sagst du zu dir selbst: „Ich bin zu egoistisch. Eine liebevolle Frau unterstützt ihren Mann wo sie nur kann und verlangt nicht von ihm, dass er nach einem langen Arbeitstag noch die Wäsche aufhängt.“ Auch dieses Urteil trennt dich von deinen Gefühlen und Bedürfnissen. Wenn du dich mit diesem Urteil über dich selbst dazu entscheidest die Wäsche aufzuhängen, bezahlst erst du dafür, da du es nicht mit Freude tust und später noch dein Partner, da sich all der in die angestaute Frust früher oder später entlädt.

Positive Urteile

Nehmen wir jetzt einmal an, dass du nach Hause kommst und dein Partner hat die Wäsche aufgehängt. Du gehst dann zu ihm sagst: „Danke, dass du die Wäsche aufgehängt  hast. Du bist ein so toller Mann.” Diesmal ist es zwar kein negatives, jedoch ein positives Urteil. Du belohnst deinen Mann mit einem Kompliment (positives Urteil), um deine Dankbarkeit auszudrücken. Doch dein Mann ist nur so lange ein toller Mann wie er die Wäsche aufhängt, andernfalls ist und bleibt er eine faule Socke. Dadurch, dass dein Urteil davon abhängt, ob dein Partner die Wäsche aufhängt oder nicht, knüpfst du deine Liebe zu ihm an Bedingungen. Leider benutzen wir gerade als Eltern oft positive Urteile, um unsere Kinder dazu zu bringen ein bestimmtes Verhalten an den Tag zu legen. Auch wenn du deinem Partner danke dafür sagst, dass er die Wäsche aufgehängt hat, bin ich skeptisch, dass ihn deine Wertschätzung voll erreicht, da er nicht weiß, welches Bedürfnis sich durch sein Handeln erfüllt hat. Gleichzeitg bezweifle ich, dass diese Form des Danks hilft, die Qualität der Verbindung zu etablieren, die du dir für eure Partnerschaft wünschst.

Was ich dir mit Hilfe dieses alltäglichen Beispiels zeigen wollte ist, dass es keine Rolle spielt, ob du negative oder positive Urteile fällst, sie trennen dich von dir und deinen Liebsten. Doch bitte verurteile dich nicht für deine Urteile, sondern lerne, sie in Gefühle und Bedürfnisse zu übersetzen.

Jetzt fragst du dich vielleicht WIE?

Das erkläre ich dir ganz genau in meinem nächsten Artikel. Doch in der Zwischenzeit kannst du es auch schon einmal selbst ausprobieren. Lade dir dazu mein Handout zum Empathie-Prozess herunter und durchlaufe die vier beschriebenen Schritte. Außerdem kannst du dich für mein kostenloses Live-Webinar Einfühlsam Reden – Liebe Leben anmelden in dem ich jeden Mittwoch einem Menschen in einer konkreten Situation helfe und im Anschluss Fragen der TeilnehmerInnen beantworte.

Was denkst du über Urteile und wie beeinflussten sie bisher dein Leben? Schreibe mir doch deine Antwort als Kommentar.

Für mehr Erfüllung im Leben,
Michael

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