Wie du (fast) aufhörst zu urteilen


Du möchtest lernen deine eigenen Urteile zu transformieren, um mit dem in Kontakt zu sein, was in dir und anderen lebendig ist? Du wünscht dir ein Leben voller Harmonie und Mitgefühl ganz ohne Vorwürfe und Beschuldigungen?

In diesem Artikel lernst du drei wesentliche Schritte, wie du deine Urteile und damit verbundene Vorwürfe transformierst. Je öfter du diesen Prozess durchläufst, desto weniger wirst du in Urteilen denken und damit mehr in Frieden, Liebe und Glück leben.

Damit der Prozess so leicht wie möglich für dich nachzuvollziehen ist, möchte ich dir ein Beispiel aus meinem Leben nennen.

Es ist Dienstagnachmittag. Mein Nachbar, der sonst für uns die Wassertanks öffnet, damit wir unsere Bäume bewässern können, ist vorgestern zu einer Wanderung aufgebrochen. Er hat mich vor seinem Aufbruch darüber informiert, dass der Hebel am Hahn vom kleinen Tank abgebrochen ist und er deswegen eine Zange daneben legen wird.  Ich mache mich mit meinem Eimer und dem Werkzeug, welches ich während der Bewässerung benötige auf den Weg. Auf der obersten Terrasse stelle ich meinen Eimer mit Werkzeug inklusive Zange ab. Ich gehe die restlichen 200m zum kleinen Wassertank (davon sind ungefähr 20m Steilwand und nicht ganz ungefährlich), um mit Entsetzen festzustellen, dass mein Nachbar nicht wie abgesprochen die Zange bereitgelegt hat. Sofort schießt mir ein Urteil in meinen Kopf: „Franz der Depp hat vergessen die Zange hinzulegen.“ Ich gehe wütend und frustriert den Weg zu meinem Eimer zurück um meine Zange zu holen. Doch auf dem Weg dahin verändere ich mein Denken von einem Urteil hin zu Einfühlung und damit ändert sich auch mein Erleben der Situation.

Wie genau du dein Denken transformierst zeigen dir die drei Schritte. Da du am meisten aus diesem Artikel mitnimmst, wenn du den Prozess durchläufst, empfehle ich dir direkt die Übung mitzumachen.

 

DREI SCHRITTE UM DEINE URTEILE ZU TRANSFORMIEREN

1. Werde dir deiner Urteile bewusst

Der erste Schritt ist, dass du beginnst dir deiner Urteile bewusst zu werden. In meinem Fall ist das Urteil „Franz der Depp“. Nimm dir jetzt dein Smartphone oder ein Blatt Papier und einen Stift zur Hand. Schreibe ein Urteil auf, das du über dich oder jemand anderen in den letzten 48 Stunden gedacht hast. Das kann etwas ganz kleines und alltägliches sein.

 

2. Übernehme die Verantwortung für deine Urteile

Im zweiten Schritt übernimmst du die Verantwortung für deine Urteile. In meinem Fall würde das Urteil mit Verantwortungsübernahme zum Beispiel so lauten:

„Ich finde Franz ist ein Depp.“ Oder „Meiner Meinung nach ist Franz ein Depp.“

Marshall Rosenberg schreibt in seinem Buch Gewaltfreie Kommunikation: Eine Sprache des Lebens, dass es nicht darauf ankommt überhaupt nicht mehr zu urteilen, er findet es wichtiger, dass wir überhaupt anfangen die Verantwortung für unsere Urteile zu übernehmen und unsere Beobachtung einer Situation von unseren Urteilen trennen.

Schreibe jetzt nochmal dein Urteil mit Verantwortungsübernahme auf.

 

3. Transformiere deine Urteile

Der dritte Schritt, bei dem die eigentliche Transformation stattfindet, lässt sich in drei Stufen herunterbrechen.

A. Trenne deine Beobachtung von deinem Urteil

Ziel ist es eine klare Beobachtung dessen festzuhalten, was geschehen ist. Dazu stelle ich mir die Fragen: Was habe ich gesehen? Was habe ich gehört?

Beobachtung: Franz hat mir gesagt, dass er die Zange an den Tank legt. Als ich zum Tank ging lag die Zange nicht da.

Das ist das, was ich wahrnehmen kann. Ich kann nicht als Beobachtung festhalten, dass Franz die Zange nicht hingelegt hat, weil ich nicht gesehen habe wie er sie nicht hinlegte. Ich kann es auch nicht ausschließen, dass er die Zange dort hingelegt hatte und jemand anderes kam und sie wegnahm.

Wenn ich jetzt noch mein Urteil mit Verantwortungsübernahme anschließe, klingt das ganze ungefähr so:

„Wenn Franz mir sagt, dass er die Zange an den Tank legt und sie nicht dort liegt, wenn ich dort ankomme, finde ich er ist ein Depp.“

Notiere eine konkrete Beobachtung dessen, was du gesehen oder gehört hast.

 

B. Benenne das Gefühl, welches durch die Beobachtung ausgelöst wird

Hierbei verbindest du deine Beobachtung mit einem Gefühl.

„Wenn Franz mir sagt, dass er die Zange an den Tank legt und sie nicht dort liegt, wenn ich dort ankomme, bin ich frustriert.“

Bedenke, dass die beiden Gefühle Wut und Ärger, keine wirklichen Gefühle sind. Sie resultieren daraus wenn du noch ein sollte oder hätte im Kopf hast. Eine Denkweise die dich von deiner Lebensenergie (den Bedürfnissen) trennt.

Ich wäre auf meinen Nachbarn wütend, wenn ich denken würde er hätte die Zange hinlegen sollen.

Halte einen Moment inne und spüre in dich hinein, welches Gefühl deine Beobachtung auslöst. Dann schreibe deine Beobachtung zusammen mit dem Gefühl auf.

 

B. Den Grund für dein Gefühl finden

Deine Beobachtung löst zwar ein bestimmtes Gefühl aus, doch die Ursache liegt woanders verborgen, nämlich in deinem unerfüllten Bedürfnis. In der letzten Stufe zur Transformierung deiner Urteile  verbindest du deshalb deine Beobachtung zusätzlich zum Gefühl noch mit dem Bedürfnis, welches unerfüllt ist.

„Wenn Franz mir sagt, dass er die Zange an den Tank legt und sie nicht dort liegt, wenn ich dort antkomme, bin ich frustriert, weil mir Verlässlichkeit wichtig ist.“

Wenn es darum geht dein Gefühl mit einem Bedürfnis zu verbinden, ist es wichtig, dass du Bedürfnisse nicht mit Strategien verwechselst. Bedürfnisse sind universell und alle Menschen teilen dieselben, doch Strategien sind speziell und an bestimmte Handlungen, Personen, Orte oder Zeiten gebunden. Eine Strategie in meinem Beispiel wäre zum Beispiel, dass Franz mir Bescheid sagt, dass er die Zange nicht hingelegt hat.

Verbinde jetzt deine Beobachtung und dein Gefühl mit deinem unerfüllten Bedürfnis.

 

Das sind die drei Schritte mit denen es dir möglich wird (fast) mit dem Urteilen aufzuhören. Je öfter du diesen Prozess durchläufst, desto schneller wirst du in der Lage sein, dein Denken und damit auch deine Gefühle zu verändern.

Damit es dir leichter fällt dich mit deinen Gefühlen und Bedürfnissen zu verbinden, kannst du dir jetzt dein kostenloses Handout zum Empathie-Prozess herunterladen.

Ich hoffe dir hat der Artikel auf deinem Weg zu einem glücklicheren Leben weitergeholfen. Gerne kannst du ihn mit deinen Freunden teilen und mir als Kommentar schreiben, was dir die Übung gebracht hat.

Dein Michael

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